
Hast du schon einmal ein Foto gesehen, auf dem ein eigentlich einfarbiges Hemd plötzlich in bunten, wellenartigen Farbverläufen schimmert, die in echt gar nicht da sind? Das nennt man den Moiré-Effekt – ein optisches Störmuster, das entsteht, wenn zwei feine, regelmäßige Raster aufeinandertreffen. Beim Fotografieren betrifft das vor allem Kleidung mit feinen Mustern und trifft dort auf das Pixelraster des Kamerasensors.
Die physikalische Erklärung: Interferenz zweier Raster
Ein Kamerasensor nimmt ein Bild nicht kontinuierlich auf, sondern tastet es in einem festen Raster aus Millionen Pixeln ab. Trifft dieses Abtastraster auf ein Motiv mit einer ähnlich feinen, regelmäßigen Struktur – etwa Nadelstreifen oder ein enges Fischgrat-Muster –, kommt es zur sogenannten Aliasing-Interferenz: Die beiden Raster überlagern sich, und es entsteht ein drittes, neues Muster, das größer und gröber ist als beide Ausgangsmuster und in der Realität überhaupt nicht existiert. Typisch sind wellenartige, oft regenbogenfarbene Streifen, die sich bewegen, sobald sich Kamera oder Motiv leicht verschieben. Je feiner das Stoffmuster im Verhältnis zur Auflösung des Sensors ist, desto stärker fällt der Effekt aus. Kameras ohne optisches Tiefpassfilter (Anti-Aliasing-Filter), wie sie inzwischen viele moderne Modelle wegen der höheren Schärfe verbauen, neigen sogar noch etwas stärker dazu.
Warum das bei deinem Shooting eine Rolle spielt
Für ein Business- oder Bewerbungsfoto greifen viele gerne zu einem gestreiften Hemd, einem Nadelstreifen-Anzug oder einem Sakko mit feinem Karo- oder Fischgrat-Muster. Genau solche Stoffe sind aber die klassischen Auslöser für Moiré. Das Tückische: Der Effekt ist beim Anprobieren vor dem Spiegel unsichtbar und zeigt sich erst auf dem fertigen Foto – oft erst am Bildschirm in voller Auflösung. Anders als ein Belichtungsfehler lässt sich Moiré in der Nachbearbeitung nur sehr eingeschränkt und mit sichtbarem Qualitätsverlust entfernen, weil das Störmuster untrennbar mit den echten Bilddetails verwoben ist. In manchen Fällen bleibt nur ein erneutes Foto in anderer Kleidung.
Nicht nur Kleidung: auch Bildschirme sind betroffen
Der gleiche Effekt tritt auf, wenn zwei Pixelraster aufeinandertreffen – etwa wenn eine Kamera einen Bildschirm abfilmt oder fotografiert, zum Beispiel bei einer Videokonferenz oder wenn jemand ein Display abfotografiert, statt die Originaldatei zu nutzen. Auch hier überlagern sich das Pixelraster des Bildschirms und das Pixelraster des Kamerasensors und erzeugen dieselben wellenartigen Muster. Deshalb wirken auf einem Bildschirm abfotografierte Bilder häufig leicht flimmrig oder streifig, selbst wenn das Originalbild einwandfrei war.
Unser Tipp: einfarbig und grobstrukturiert ist am sichersten
Die zuverlässigste Lösung ist, das Problem gar nicht erst entstehen zu lassen: Einfarbige oder grobstrukturierte Kleidung ohne feine Streifen, Karos oder Fischgrat-Muster vermeidet Moiré praktisch vollständig – das deckt sich mit unserem Rat aus dem Artikel zum Bewerbungsfoto, dass einfarbige Oberteile fast immer am besten funktionieren. Falls du dir bei einem Kleidungsstück unsicher bist, bring es einfach zu deinem Termin mit – wir schauen es uns vorher an und beraten dich, ob es sich fürs Foto eignet oder ob eine Alternative die bessere Wahl ist.
Termin buchen
Interesse geweckt? Buche jetzt deinen Termin bei picjoy in Bochum.
Jetzt Termin buchen →